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Mittwoch, 22 Dezember 2010 14:52

Neue Formen im Umgang mit Geld

geschrieben von 

Neue Formen im Umgang mit Geld sind etwas erstaunliches. Erstaunlich für viele Menschen, weil sie sich fragen, ob und warum so etwas überhaupt nötig sein könnte. Erstaunlich auch deswegen, weil mit den Gedanken an nicht staatliche Währungen und demokratisch, bürgerschaftlich geschaffene und verwaltete Systeme etwas in Erscheinung tritt, was vor dem Hintergrund des Gewohnten erstmal absolut undenkbar zu sein scheint. Ist das tatsächlich möglich, zum Beispiel Geld zu schaffen, das neben den staatlich kontrollierten Zahlungsmitteln existiert und wirtschaftlich relevant für einzelne Menschen und größere Menschengruppen sein kann?

 

Um zu verstehen, vor welcher Herausforderung wir damit stehen, möchte ich ein Bild bemühen. Durch das Alte Testament, den ersten Teil der Bibel, ist die Geschichte von Noah überliefert. Es ist darin die Rede vom Ende einer gesellschaftlichen Ordnung und von einem Mann der fraglos etwas sehr ungewöhnliches tat. Wie kann jemand auf die Idee kommen, auf einen Berg zu steigen und dort ausgerechnet ein Schiff zu bauen? Wer so etwas tut, ist doch – so möchte man meinen - mindestens ein kleines bisschen verrückt.

Es geht mir hier nicht um die Überlieferung von Glaubensinhalten. Nehmen Sie das Bild ganz einfach als Geschichte, die uns Motive liefern kann, um das Nachfolgende genauer zu verstehen. Noah baute ein Schiff auf einem hohen Berg und brachte in das Schiff von allem was damals auf dieser Erde lebte ein Paar. Dann steig das Wasser und nur die Lebewesen im Schiff überlebten die große Flutkatastrophe, nach deren Ende sie das Leben auf dieser Erde neu beginnen konnten. Eine scheinbar verrückte Tat, das Vertrauen auf den kleinst möglichen Anfang und eine eigene Weitsicht, die sich allen Widerständen zum Trotz behauptet. Das sind die drei motivischen Elemente, die uns aus der Geschichte von Noah und dem Bau der Arche in unserem Kontext weiter beschäftigen können und auf die es mir hier ankommt.

Die neuen Formen im Umgang mit Geld entstehen seit der jüngeren Vergangenheit meistens ausgehend von sehr kleinen Projekten und Initiativen. Darin sind Menschen am Werk, die ein anfängliches Bild von dem haben, was in ihrem Sinne wirtschaftliche Gerechtigkeit und Solidarität sind. Es geht letztlich um soziale Neuordnungen, die an die Stelle treten, wo alte Ordnungen aufgebraucht ihrem Ende entgegengehen. Parallel sind neue Instrumente verfügbar geworden, die ausgehend von technischen Errungenschaften und einer entwickelten Weitsicht auf die vermutliche Zukunft unseres Planeten solche Innovationen überhaupt erst ermöglichen, wie sie in den neuen Formen im Umgang mit Geld sicht- und erlebbar werden. Da werden neue Theorien gedacht, die das Geben an die Stelle des Nehmens zum Primat der Handelsbeziehungen machen. Da greift sich ein umsichtiges, nachhaltiges Wirtschaften Bahn, das die Rechte der Natur in Einklang mit dem menschlichen Verbrauch zu setzen weiß. Da werden eigene, nicht staatliche Währungen geschaffen, die ohne die maroden Eigenschaften des staatlich kontrollierten Geldes eine Lebensqualität transportieren, nach der sich immer mehr Menschen zu sehnen begonnen haben.

Neu ist aber eben auch das Negative, das ich aber nur insofern erwähnen möchte, als dass an ein paar Beispielen deutlich werden soll, vor welchem Rundhorizont sich bis heute chancenreiche Möglichkeiten zu einer nachhaltigen Veränderung des Geld- und Finanzsystems entwickelt haben. Dazu genügt ein kleiner Rückblick auf die Jahrtausendwende, durch den Entwicklungen sichtbar werden können – negative und dadurch indizierte positive -, die für die möglichen Veränderungen den Ausschlag gegeben haben.

 

Blick auf Ereignisse und Fakten zur Jahrtausendwende

Markant für diverse gesellschaftliche Veränderungen waren durchschlagende Entwicklungen. Für unser Thema durchaus relevant war einerseits die Entstehung des Internet, andererseits der Zusammenbruch des Neuen Marktes, der, wie man es damals nannte, „New Oeconomy“. Es wurden angesichts der revolutionären Entwicklungen auf dem Gebiet des World-Wide-Web ambitionierte Geschäftsmodelle entworfen, die die bis dahin bekannten Spielregeln der Ökonomie revolutionierten. Einige gigantische Unternehmen sind daraus hervorgegangen, wie zum Beispiel ebay, google, yahoo usw. War die Entwicklung des Onlinehandels am Beginn des neuen Jahrtausends noch verhalten und im Verhältnis zu den Wertschöpfungen des klassischen Handels noch nicht signifikant, prognostizierte die damalige Vorstandsvorsitzende von ebay eine Explosion des von ihr vertretenen Geschäftsmodells in den kommenden zehn Jahren, also bis heute, und wir müssen unumwunden zugestehen, dass sie damit Recht hatte.

Andererseits trat mit der Entwicklung der Internet basierten Geschäftsmodelle noch ein anderes Phänomen in Erscheinung, dass mit der menschlichen Gier zusammenhängt und dazu führte, dass vom Normalbürger bis zu großen Venturecapital-Gesellschaften gewaltige Kapitalien in den neuen, vielversprechenden Markt investiert wurden. Man erwartete Rekordrenditen, die aus Geschäftsmodellen hervorgehen sollten, die eigentlich auf Unvorstellbarem beruhten. Als die Gründer von google zum Beispiel antraten, um das gesamte Internet auf Offline-Servern abzubilden, um die schnellen Ergebnisanzeigen ihrer Suchmaschine überhaupt erst zu ermöglichen, musste man auf dem schon damals erreichten Stand der Entwicklung des Internet im Hinblick auf die technischen Möglichkeiten der Datenspeicherung eigentlich sagen, dass das google-Modell unmöglich umzusetzen sei. Was diese Unternehmer wollten, ging also eigentlich gar nicht, aber sie versuchten es trotzdem. Oder als die Samwer-Brüder ihre ersten, aus dem Verkauf ihrer Auktionsplattform Alando an ebay verdienten Millionen in den Aufbau einer Firma zur Vermarktung für Klingeltöne und Hintergrundbilder für Handys investierten, konnte man eigentlich nur den Kopf schütteln. Beide, google und die Samwer-Brüder behielten mit ihrer Erwartung allerdings Recht, schließlich hochprofitable Geschäfte mit völlig neuen Ideen machen zu können.

Viele traten mit solchen Ideen an, wenige waren erfolgreich. Viele investierten hohe Summen, wenige erzielten die erträumten Renditen. Ein neuer Umgang mit Geld war geboren, der sich in hochriskanten Investitionen ereignet und seither den kleinen Anleger und die große Kapitalgesellschaft gleichviel in den Bann schlägt.

Sehen wir kurz auch auf den Hintergrund, vor dem sich das zur Jahrtausendwende alles ereignete.

1999 fand die WTO Tagung in Seattle statt, was den Auslöser zur Entstehung der Antiglobalisierungsbewegung abgab. Das war nämlich eine Zeit in der von den 100 größten Wirtschaftseinheiten weltweit bereits 51 Firmen und 49 Staaten waren. Die Einnahmen der 200 weltweit größten Firmen betrugen damals bereits mehr als ein Viertel der gesamten, weltweiten Wirtschaftsaktivität. In der Zeitschrift „Der Spiegel“ wurde damals formuliert, dass „eine neue Topografie der Macht entsteht, die keinen Nationalstaat mehr kennt.“ Und zu welchen neuen Lebenstatsachen führte schon damals diese neue Topografie der Macht?

Im Jahr 2001 waren weltweit 1 Mrd. Menschen ohne Erwerbsarbeit, das sind mehr als die EU, USA, Japan und Russland zusammen Einwohner haben. Von diesen 1 Mrd. arbeitslosen Menschen lebten allein 34 Millionen in den OECD-Staaten. Nehmen wir noch hinzu, dass weltweit damals 1,6 Mrd. Menschen weniger als 2 Dollar pro Tag für die Deckung ihres gesamten Lebensbedarfs zur Verfügung hatten, wird einem ein Rundhorizont bewusst, der sich bis heute noch weiter verschärft hat und der komplett von dem abweicht, was sich für einen anderen, sehr kleinen Teil der Menschheit als Aufbruch zu neuen Ufern ereignete.

Aber auch anderes geschah! Ausgehend von einem 1997 erschienen Zeitungsartikel über die Tobin-Steuer entstand seit 1998 die NGO attac. 2004 folgte Lobby Control. In beiden Organisationen engagieren sich immer mehr Menschen für eine Aufdeckung eklatanter Ungerechtigkeiten und die Schaffung von Alternativen in Bezug auf neue Formen im Umgang mit Geld, wie sie den Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft gegenüber unter den Vorzeichen von Menschlichkeit, Demokratie und Gerechtigkeit angemessen sein werden.

Nicht unerwähnt darf das Buch „Das Geld der Zukunft“ von Bernard Lietaer bleiben, der darin als ehemaliger Fachmann für den überkommenen, spekulativen Umgang mit Geld aufzeigt, zu welchen Auswüchsen die Gier inzwischen geführt hatte. Er zeigt aber auch auf, auf welchen Wegen ein gerechtes, demokratisches Geldsystem geschaffen werden wird. Ja, er beschreibt wie es geschaffen werden wird, nicht nur wie es geschaffen werden kann. Es besteht für ihn offenbar kein Zweifel daran, dass nicht staatliche Währungen als Komplemente entstehen werden, genauso wenig wie er bereits 1999 keinen Zweifel daran ließ, dass das bekannte Geld- und Finanzsystem zusammenbrechen wird. Zu der Zeit, in der Bernard Lietaer`s Buch erschien, gab es weltweit bereits weit über 4.000 kleinere und größere nicht staatliche Währungssysteme.

 

Ereignis der neuen Formen im Umgang mit Geld

Wenn hier jetzt von dem „Ereignis“ der neuen Formen im Umgang mit Geld etwas zusammen getragen werden soll, ist das zum einen nur ein kleiner Einblick und zum anderen der Versuch, einen ungewöhnlichen Aspekt in den Diskurs einzubringen. Beginnen wir mit einem Blick auf das Entstehen besonderer Projekte und Initiativen, die in nicht so ferner Zukunft durchaus zu Geschäftsmodellen herangereift sein können, die auf ihre Art genauso ungewöhnlich sind, wie es die Ideen der New Oeconomy vor zehn Jahren waren, die aber eine ebenso große Kraft entfalten werden.

Zu den Phänomenen im Entstehen der neuen Formen im Umgang mit Geld gehören zum Beispiel die nicht staatlichen Währungen, die regional oder sektoral als Komplement neben dem staatlich monopolisierten Geld als Zahlungsmittel zirkulieren. Dazu gehören lokale Regiogelder genauso, wie Bonusmeilen oder Tauschbörsen mit eigenen Verrechnungseinheiten. Bereits jetzt sind derart viele verschiedene Formen entstanden, dass ein neuer Geldbegriff gedacht werden muss, um sie zu verstehen. Geld ist nicht mehr allein das staatliche Zahlungsmittel, sondern Geld sind zunehmend auch Verrechnungseinheiten, die aus Unternehmens- oder Bürgerinitiativen geschaffen wurden und werden. An dieser Stelle öffnet sich der Markt für Finanzdienstleistungen durch neue Produkte und es ist dadurch natürlich auch gleich die Frage zu stellen, mit welchen Qualitäten diese neuen Zahlungsmittel von ihren Emittenten wohl ausgestattet werden. Da ist plötzlich eine Kreativität möglich, die von den verschiedenen Initiativen und Firmen natürlich sehr verschiedenen aufgegriffen werden wird. Bonusmeilen werden von anderen Absichten begleitet, als ein lokales Regiogeld - und das hat noch nichts mit gesetzlichen Vorgaben zu tun.

Angesichts der belasteten Kaufkraft der Haushalte und leerer Kassen der Kommunen wird bürgerschaftliches Engagement angesprochen und angeregt. Tauschringe entstehen, die nachbarschaftliches Engagement ermöglichen und die mit den Wertebewegungen immer zugleich auch menschliche Nähe und Solidarität indizieren, die ansonsten aus unserer Gesellschaft zunehmend verschwinden. Auf Selbsthilfe ausgerichtete Vereine und Projekte schaffen schon jetzt mit eigenen Verrechnungsmodellen eine Ökonomie, die mit den Regeln der zunehmend verhärteten Marktwirtschaft nichts mehr zu tun hat, sondern die sich davon befreit im Sinne der Schaffung und Pflege nachhaltiger, sozialer Kulturen zum Wohl der Natur und der beteiligten Menschen. Die erreichte wirtschaftliche Relevanz lässt sich nicht mehr ignorieren, es handelt sich nicht (mehr) um „Sandkastenspiele“, sondern um Netzwerke, die ihre wirtschaftliche und soziale Relevanz fortwährend durch Fakten unter Beweis stellen.

Ein weiteres Phänomen für neue Formen im Umgang mit Geld kann in der Zunahme von Bartergeschäften gesehen werden, mit denen weltweit Geschäfte zwischen Firmen abgewickelt werden, ohne das staatliche Währungen daran beteiligt wären. Warenflüsse ereignen sich auf der Basis eines organisierten Tauschens auf bargeldloser Ebene. Um das im geschäftlichen Alltag zu organisieren, beschäftigen die großen Globalplayer inzwischen ganze Abteilungen mit hoch kompetenten, spezialisierten Mitarbeitern.

Diese Entwicklungen sind Ereignisse der jüngeren Geschichte. Sie sind Beispiel dafür, dass sich Wirtschaftsformen entwickeln, die jene Gerechtigkeit schaffen, ohne die ein fairer Handel und ein zufriedenes Leben auf diesem Planeten undenkbar sind. Aber noch ein anderes Feld von Phänomenen soll erwähnt werden. Es führt unmittelbar in den Lebensbereich einzelner Menschen und ist – zugegebener maßen – recht ungewöhnlich, aber nichts desto Trotz relevant.

Wir Menschen sind, wie alle anderen Lebewesen auf diesem Planeten auch, eingeordnet in große und differenzierte ökologische Zusammenhänge. Nichts von unserem Verhalten bleibt für die Gesamtheit der Lebewesenwelt folgenlos und umgekehrt dürfen auch wir als Einzelwesen, jeder Mensch für sich, davon ausgehen, dass das Leben als Gesamtheit unsere individuelle Biografie beeinflusst - im guten wie im schlechten Sinne. Ist es nun allzu verwegen, im Kontext ernstgemeinter geldtheoretischer Erörterungen davon zu sprechen, dass einer „Lebenskraft ansich“ auch eine ökonomische Relevanz zukommt? Sicherlich müssen wir uns von einigen gewohnten Vorstellungen, jedenfalls für einen Moment befreien, wenn wir den infrage kommenden Gedankengängen folgen wollen. Um das zu erleichtern, führe ich zuerst ein Beispiel an, dass sich in meinem persönlichen Umkreis so ereignet hat.

Da ist der Pilot eines Kampfjets mit Frau und zwei kleinen Kindern, der plötzlich über eine Lebensversicherung nachdenkt. Er schlägt seiner Frau, zu deren und der Kinder Absicherung, vor, eine solche Versicherung abzuschließen. Eines Morgens kommt der Versicherungsvertreter und der Vertrag wird abgeschlossen. Am Nachmittag desselben Tages startet der Pilot zu einem Übungsflug, während dem er tödlich verunglückt.

Nehmen wir diese Geschichte, die das Leben schrieb einfach als Phänomen. Es ist nicht von besonderer Bedeutung, ob Sie nun glauben, dass da die Hand Gottes oder der Zufall im Spiel war. Es ist einfach eine Tatsache, dass durch eine unvermittelt vorgenommene Handlung die wirtschaftliche Existenz einer Familie gesichert werden konnte. Ich nehme das zum Anlass, die Aussage zu riskieren, dass das Leben selbst auch in finanzieller Hinsicht dafür sorgt, dass die Einzelwesen existieren können. Dafür bedarf es allerdings der pro aktiven Umsetzung einer Einstellung, die solche Ereignisse erst bemerkbar macht und ermöglicht.

 

Das Gefühl für Wahrheit

Angesichts der hochkomplexen Geld-, Wirtschafts- und Finanzwelten ist es eine Frage, wer denn überhaupt noch den Durchblick hat, der für ein qualifiziertes Beurteilen irgendwelcher Sachverhalte vonnöten zu sein scheint. Im Zusammenhang mit der jüngsten so genannten Geld- und Finanzmarktkrise bekannten ja sogar gestandene Banker, dass sie nicht mehr verstehen würden, was die Funktion irgendwelcher Produkte ausmacht, die sie andererseits aber trotzdem fleißig vermarkten.

Bezüglich der Ursachen für die Krise und der Theorien, die Modellen zu deren Bewältigung zugrunde gelegt wurden und werden gehen die Meinungen selbst unter Fachleuten auseinander. Muss der Finanzmarkt reguliert werden? Können gesetzliche Regelungen dem Treiben geldgieriger und rücksichtsloser Spekulanten Einhalt gebieten? Soll man Banken mit Milliarden retten und so unter Umständen faktisch verstaatlichen? Was bewirkt eine Besteuerung von Spekulationsgeschäften?

Klar ist in jedem Fall, dass prinzipiell jeder Marktteilnehmer, also auch der Normalverbraucher, darin gefordert ist, sich ein einigermaßen tragfähiges Urteil zu erwerben, denn es würde sich auch niemand in den Straßenverkehr wagen, der nicht die wichtigsten Verkehrsregeln kennt und sie zu handhaben weiß. Gleiches gilt auch für den Umgang mit Geld. Schon die verschiedenen Bezahlmethoden im Off- und Onlinehandel erfordern ein gewisses Maß an Kenntnis, die Verwendung von Kreditkarten oder die Inanspruchnahme von Darlehen ebenso, wenn man nicht plötzlich Schiffbruch erleiden will.

Dabei wird von Verbrauchern eine wichtige Voraussetzung immer mehr eingefordert, und zwar die nach Transparenz. Solche Banken wachsen trotz Krise, die ihre Geschäftspolitik offen darlegen und Firmen, die offen über Produktions- und Lieferbedingungen berichten, stehen in der Gunst der Kundschaft inzwischen höher, als solche die es nicht tun. Das eine, was darin zu erkennen zu sein scheint, ist ein zunehmendes Verbraucherbewusstsein, das andere besteht darin, dass die Anwendung einer neuen Qualität sichtbar wird, der man im ökonomischen Geschehen zunächst nicht unbedingt die ihr gebührende Relevanz zuerkennen würde: Verbraucher folgen mit ihren Konsum- und Anlageentscheidungen ihrem eigenen Gefühl. Ob man es nun ernst nimmt oder nicht, wenn jemand aus einem guten Gefühl die Bank wechselt, weil er ethische Geldanlagen bevorzugt, bestimmt diese Basis für Verbraucherentscheidungen einen wachsenden Teil des Marktes. Aber auch unternehmerische Entscheidungen und Initiativen bekommen vom Gefühl für Wahrheit getragen eine neue, beachtliche Qualität.

Ist die Welt des Geldes und der Finanzdienstleistungen auch so komplex geworden, dass Sachverstand allenfalls Spezialwissen ist und nirgends den ganzen Zusammenhang zu durchdringen vermag, ist als Entscheidungsgrundlage das Gefühl für Wahrheit anwendbar, das vielleicht sehr subjektiv erscheint, aber – und das möchte ich hier ausdrücklich als meine Überzeugung benennen – die Navigation in hochkomplexen Zusammenhängen wirksam und relevant ermöglicht. Trauen wir uns doch, dieses Gefühl für Wahrheit in unserem Leben und Entscheiden viel mehr anzuwenden, als wir es vielleicht bisher taten!

 

Was man kann und was man muss

Stellen Sie sich einmal vor, welche unvermeidlichen Ausgaben Sie allmonatlich haben. Ich liefere dafür mal die folgenden Stichworte: Miete, Nebenkosten, Strom, Versicherungen, Steuern, Kontoführungsgebühren usw. usf. Versuchen Sie das mal in Prozenten Ihres verfügbaren Nettoeinkommens zu denken. Nun stellen Sie sich vor, welche Kosten Sie allmonatlich bewältigen, deren letztendliche Höhe Sie aber noch ein Stück weit beeinflussen können. Stichworte dazu: Nahrungsmittel, Getränke, Kleidung, Drogerieartikel usw. usf. Versuchen Sie wiederum diesen Teil Ihrer monatlichen Aufwendungen in Prozenten des verfügbaren Nettoeinkommens zu denken. Nun addieren Sie diese fixen und teilvariablen Anteile Ihrer regelmäßigen Ausgaben und ziehen Sie sie vom Gesamtbudget ab. Wie viel Prozent Ihres Monatseinkommens bleiben dann übrig? Vermutlich eine nicht sehr hohe Zahl. Dieser Betrag steht Ihnen zur freien Verfügung. Sie können ins Theater gehen oder in ein Restaurant. Sie können, wenn man das unternehmerisch ausdrückt, investieren.

Der Unterschied zwischen dem großen Block fixer und teilvariabler Kosten und dem kleinen Teil frei verfügbarer Mittel besteht vor allem darin, dass Sie den ersten großen Teil Ihrer Ausgaben bewältigen müssen, während Sie die freien Mittel, egal wofür, verwenden können. Die Kalamität besteht darin, dass wir an dieser Stelle erkennen, dass der größte Teil unserer wirtschaftlichen Aktivität einem Zwang folgt, also eine unvermeidliche Bedeutung für unser Leben bekommen hat. Das ist dem Wesen des Geldes zu eigen, dass gern dazu führt, in unseren Lebensgewohnheiten Prinzipien des Müssens zu installieren. Umso wunderbarer ist es, wenn wir Menschen begegnen, die sich aus diesen Zwängen befreit haben, oder wenn uns das selbst – jedenfalls für einen Moment - einmal gelingt.

Die Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen wurde in den letzten Jahren besonders auch durch den Unternehmer Götz Werner angeregt. Da steht einer nachdrücklich dafür ein, dass jeder Mensch bedingungslos ein Grundeinkommen erhalten soll, das unabhängig von erbrachten Arbeitsleistungen zur Befriedung der elementarsten Lebensbedürfnisse ausreichend ist. Erst dann, so Götz Werner, wäre der Mensch in der Lage, seinen Interessen frei zu folgen und sie in Arbeiten zur Anwendung zu bringen, die für den wirtschaftlichen Prozess und das Gemeinwohl von Vorteil sind. Die grundsätzliche Versorgung mit dem Lebensnotwendigen ist in der Sichtweise von Götz Werner ein Beitrag zur Menschenwürde, den zu leisten der Staat verpflichtet ist.

Zum einen wird sofort deutlich, dass die Einbindung des Menschen in die wirtschaftlichen Ereignisse durch ein bedingungsloses Grundeinkommen nachhaltig so verändert ist, dass die Auseinandersetzung um fixe Kosten nicht zuerst auch Lebensqualität einschränkt, weil die den Menschen immer erst zu einem Wesen macht, dass mehr müssen soll als es können darf. Zum anderen stellt sich auch bald die Frage danach, warum ein reicher Unternehmer wie Götz Werner einer solchen Idee anhängt und sich so ausdrücklich für sie engagiert? Er muss es nicht, aber – ich vermute – er kann möglicherweise einfach gar nicht anders. Sein auch durch jahrzehntelanges erfolgreiches Unternehmertum geschultes Gefühl für Wahrheit und sein Sinn für Gerechtigkeit und Menschenwürde treiben ihn an, einer Idee zu folgen und engagiert für sie einzutreten, die für manch anderen ausgemachter Blödsinn ist. Bemerkenswert ist, dass immer mehr Menschen ein bedingungsloses Grundeinkommen fordern, nicht weil sie sich auf die faule Haut legen wollen, sondern weil sie mindestens bereits in ihrem Gefühl für Wahrheit das Bild von Gesellschaftsformen der Zukunft in sich tragen, in denen solche Grundversorgung einfach zum elementaren Standard gehören können.

Um neue Formen im Umgang mit der Natur und miteinander wirklich umsetzen zu können, brauchen wir einen Freiraum, der uns vom herrschenden Geldwesen immer wieder verengt und sogar genommen wird. Aber es ist möglich und sinnvoll, auf Qualitäten im menschlichen Handeln zu vertrauen, die vielleicht verschüttet, aber nicht verschwunden sind. Ich möchte Ihnen dafür noch ein weiteres Beispiel geben.

Ich habe kürzlich nach vielen Jahren wieder mit einem früheren Mitschüler gesprochen, der heute einen großen ambulanten Pflegedienst betreibt. Wir haben in diesem Telefonat auch über unsere beruflichen Erlebnisse gesprochen und ich erlebte durch seine Beschreibungen einen Unternehmer, der in außerordentlich engagierter Weise darum bemüht ist, in einer für sein Unternehmen immer enger werdenden Situation die Standards einer menschenwürdigen Pflege und damit verbundenen Arbeitswelt aufrecht zu erhalten. Gespräch, Supervision und Maßnahmen zur Sicherung der pflegerischen Qualität gehören zur Kultur seines Unternehmens. Das hat mich beeindruckt und ich dachte darüber nach, wie sehr das zu dem Bild meines Mitschülers passt, der schon damals in Schulzeiten (das ist jetzt über dreißig Jahre her) nichts anderes als Pfleger werden wollte, weil es für ihn der Weg ist, sein innerstes Anliegen in Bezug auf ein Eintreten für die Menschenwürde im beruflichen Tun zu leben. Auch er kann vermutlich gar nicht anders – ähnlich wie Götz Werner mit seinem Eintreten für das bedingungslose Grundeinkommen –, muss aber nicht. Auch er handelt aus seinem grundsätzlichen Gefühl für Wahrheit und aus vollkommen freien Stücken und schafft auf diese Weise auch für andere Menschen eine Qualität, die anders vermutlich nicht zu erreichen wäre.

Indem wir die Formen im Umgang mit Geld verändern, verändern wir zugleich die Art der Einbindung der Menschen in die Tatsachen und Aufgaben ihres Lebens. Manches wird offenbar sogar erst möglich, wenn wir uns vom vorherrschenden Geldsystem jedenfalls ein Stück weit verabschieden. Es ist möglich und wird auch bereits versucht. Dafür gibt es viele ermutigende Beispiele.

 

Jeder Mensch ist Banker

Zum Geld gehören die Banken, wie zu den Kerzen der Weihnachtsbaum. Wir sind daran gewöhnt, dass die Fäden des Geldes immer in Instituten zusammenlaufen, die dazu von Rechts wegen autorisiert sind. Banken führen Konten, auf denen der zu uns gehörige Geldfluss abgebildet wird und über die wir das virtualisierte Geld handhaben können. Als Institutionen verwalten sie Geld. Das bedeutet, dass sie Geld entgegennehmen, es verwahren, im Kundenauftrag weiterleiten oder gebündelt als Darlehen denen zur Verfügung stellen, die für irgendwelche Vorhaben über eine nicht ausreichende Liquidität verfügen. Das Banken auch Geld schaffen, gehört ebenso zu deren Aufgaben bzw. Möglichkeiten, auch wenn genau dieser Vorgang den wenigsten Kunden bewusst ist, obwohl er zu den wesentlichen Grundlagen der wertschöpfenden und von Spekulationen begleiteten Tätigkeiten der Finanzinstitute gehört.

Geld entgegennehmen und verwahren. Geld in Zahlungsvorgängen weitergeben oder verleihen. Das sind Vorgänge, wie sie jeder von uns nahezu tagtäglich vollzieht. An der Stelle von Konten sind es die Erinnerung oder selbst erstellte Listen oder Haushaltsbücher, die den Umgang geregelt sein lassen. Diese Funktionen einer Bank vollziehen wir also alle auch selbst. Geld schaffen? Ist es möglich, Geld zu schaffen? Banken schaffen Geld, indem sie die Rechte an besicherten Forderungen, z.B. an Grundbüchern erwerben. Wird ein Darlehen, für einen Hauskauf zum Beispiel, gewährt, entsteht tatsächlich Geld. Die Geldmenge wird gleichsam aus dem Nichts erhöht, was der Gesetzgeber legitimiert, indem er anerkennt, dass der Bank als Sicherheit eine grundbuchliche Eintragung der Darlehensschuld gewährt wird. Da das Darlehen mit einem Zins belegt wird, wird in der Folge dem realwirtschaftlichen Geldkreislauf im Schnitt doppelt so viel Geld entzogen, wie dem Schuldner für seinen Hauskauf ausgezahlt wurde. Da liegt ein großes Problem, denn diese Rechnung kann nie aufgehen und schafft darum immer ein soziales Problem!

Ist es aber weniger wertschaffend, als die Vergabe eines besicherten Darlehens, wenn ein Mensch in seinem Garten Gemüse anbaut, das er nachher zu einem Teil an seinen Nachbarn gegen die Reparatur seines Garagendaches weitergibt? Ist es weniger wertschaffend, wenn jemand ein Kleid näht und im Gegenzug an einem Computerkurs teilnimmt? Wir sind es fataler weise gewohnt, zwischen den Zahlungsvorgängen mit den Euros zum Beispiel und dem Tausch unter Nachbarn einen gravierenden Unterschied zu machen, den wir leichtsinnig so ausdrücken: Im einen Fall handelt es sich um Geld, im anderen Fall nicht. Prinzipiell ist das nicht richtig, denn die Funktion des Geldes ist es zunächst nur, Tauschdienstleistungen fungibel zu machen. Es ist nicht immer der Fall, dass der Gärtner ein kaputtes Garagendach hat und die Schneiderin den Gebrauch eines Computers erlernen will. Insofern erweitert der Euro als allgemein anerkanntes Zahlungsmittel die Tauschbeziehungen unter seinen Verwendern. Das ist seine ureigene Aufgabe, alles andere ist (fragwürdiges) von Menschen geschaffenes Beiwerk.

Es ist also durchaus möglich und einfach zu installieren, dass eine andere, komplementäre Verrechnungseinheit als der Euro in einer Menschengemeinschaft die Tauschvorgänge erleichtert. Und wenn zu einer solchen Menschengemeinschaft sowohl private, wie gewerbliche Teilnehmer gehören, wird das Ganze insofern interessant, als das mehr und mehr der gewöhnliche Konsumbereich vom eigenen Geld erfasst werden kann und nicht nur der kleine Bereich gelegentlicher Aufmerksamkeiten.

Wenn wir nun also feststellen, dass es unter der Voraussetzung eines erweiterten, bzw. wieder auf seine eigentlichen Grundlagen zurückgeführten Geldbegriffes möglich ist, die Schaffung von Geld durch das Erbringen von Leistung auch außerhalb von institutionalisierten Banken haben zu können, gibt es nichts, was von den Funktionen der Finanzdienstleistungen nur die Bank kann. Jeder Mensch ist (darum) ein Banker – sowohl prinzipiell, wie tatsächlich. Bleibt nur die Frage unbeantwortet, warum die Menschen sich dieser Tatsache und Chance noch so wenig bewusst werden.

Allerdings ist auch hier eine Veränderung zu konstatieren. Die Entwicklung von Tauschringen und -portalen einerseits, die Zunahme von so genannten Peer-to-Peer-Krediten und eigenen Währungen andererseits zeigen auf, dass im Bereich der Finanzdienstleistungen mehr und mehr der einzelne Mensch selbst anstelle der „Institution Bank“ die Regie übernimmt. Dadurch wird eine Entwicklung deutlich sichtbar, die für sich genommen andere Bankinstitute erfordert, die nur insoweit Institution sind, als dass sie dienstleistend das bereit stellen, was den Tauschhandel unter den Menschen erleichtert. Die Kunden selbst sind dann die Banken in der Bank. Die von attac ausgehende Initiative für die Schaffung einer demokratischen Bank steht für ein solches neues Konzept, genau wie manch anderes, bereits vorhandenes Modell im weltweiten Social Banking.

 

Drei Schritte in eine neue Richtung

Es geht beim Schaffen von neuen Formen im Umgang mit Geld um eine neue Richtung für unser diesbezügliches Denken und Handeln. Um im Bild vom Bau der Arche zu bleiben: Wir wollen den Berg besteigen, um dort ein Schiff zu bauen. Auf diesen Berg gelangen wir mit drei Schritten, die allerdings tiefgreifende Veränderungen in unseren sonst gewohnten Einstellungen mit sich bringen.

Beginnen, wir mit dem, was die Mehrzahl der Menschen überhaupt nur dazu veranlassen kann, zu handeln und darin etwas Neues aufzugreifen. Die meisten Menschen tun etwas nur dann, wenn sie dadurch einen persönlichen Vorteil erreichen. Der Wechsel des Bankkontos ist schnell machbar, wenn die Zinsen höher und die Gebühren niedriger sind. Die alten Schuhe werden gegen ein neues Paar ausgetauscht, wenn die neuen Schuhe für den Winter warme und trockene Füße verheißen. Und ich habe es in vielen Gesprächen mit Gewerbetreibenden zu hören bekommen, dass sie sich einer Komplementärwährung sofort anschließen würden, wenn ihnen deutlich würde, was das für sie für einen Vorteil bringt. Gerade das letztgenannte Beispiel ist so unkaufmännisch, dass es als grundsätzliches Beispiel dafür dienen kann, worin der erste Schritt besteht, der uns auf den Berg führen kann. Dieser erste Schritt besteht nämlich darin, dass wir aufgeben, zuerst nach dem eigenen Vorteil zu fragen, sondern stattdessen nach dem unserer Mitmenschen. Der Gewerbetreibende frage sich also, was für einen Vorteil eine Komplementärwährung für seine Kunden bringen könnte, dann liegt er mit seiner Fragerichtung richtig. Das gilt aber grundsätzlich: Indem wir uns bezüglich unserer Handlungen, sagen wir jedenfalls hin und wieder, zuerst fragen, was für einen Vorteil unsere Mitmenschen dadurch haben werden, verändern wir die Qualität des Lebens sehr tiefgreifend - und im übrigen gar nicht am eigenen Vorteil vorbei, denn die neuen Schuhe werden im Winter die Füße sicherlich besser wärmen, als die alten.

Vor nicht langer Zeit sprach ich mit einem Menschen über Coinstatt. Dieser Mensch sucht eine Komplementärwährung, an die er sich anschließen will. Nun zählte er mir auf, was er alles für andere gegen Coins, so nennen wir bei Coinstatt unsere Währung, abzugeben in der Lage wäre. Aber er fügte auch gleich hinzu, dass ihm das Angebot bei Coinstatt noch nicht umfangreich genug sei, um den Schritt zum Mitmachen tun zu können. Ich bot ihm an, den zweiten hier gemeinten Schritt auf dem Weg auf den Berg zu tun. Ich schlug ihm vor, die Dinge und Leistungen, die er aufgezählt hatte, ruhig erstmal anzubieten und dabei gleich darauf zu vertrauen, dass ihm später auch etwas angeboten würde, was er gebrauchen kann. Bevor man etwas von jemanden will, kann (und sollte) man etwas für ihn wollen – darin besteht der hier gemeinte zweite Schritt.

Das Leben auf diesem Planeten bietet allen Lebewesen eigentlich genug Nahrung usw. Es ist nur eine Frage der Verteilung, über die entschieden wird, ob Lebewesen zufrieden oder unterversorgt in Hunger und Entbehrung leben müssen. Obwohl über die Verteilungsfrage in Strukturen der Macht entschieden wird, hat sie einen ihrer Ursprünge auch in der grundsätzlichen Einstellung eines jeden, einzelnen Menschen. Was vorhanden ist, wird verbraucht, das ist bezogen auf ein kaltes Buffet nicht anders, als bezogen auf die fossilen Wasserreserven in der libyschen Wüste. Solange etwas (scheinbar grenzenlos) verfügbar ist, wird es auch rücksichtslos verbraucht. Nachhaltig ökologisches Denken und Handeln wird oft erst leider an schmerzlichen Grenzerfahrungen entwickelt. Dabei entspricht es einem grundsätzlich anständigen Verhalten eines Lebewesens in Gemeinschaft, dass es für die eigenen Lebensbedürfnisse so wenig wie möglich und so viel wie nötig verbraucht. Das klingt angesichts unserer Lebensgewohnheiten vielleicht vollkommen absurd, aber recht besehen hat alles andere einfach gar keinen Sinn. Dies einzusehen und in das eigene Handeln überzuführen, bedeutet den dritten Schritt auf den Berg zu tun.

Ich drücke das so abgekürzt und motivisch aus, damit es wirklich deutlich wird, was mir als die wesentlichen Grundlagen für eine Einstellung erscheint, die einen neuen, positiven Umgang mit Geld ermöglichen. Aber bezogen auf die notwendige Änderung des Verhaltens einzelner Menschen geht es nicht anders. Angesichts dessen, was uns im gewöhnlichen Leben tagtäglich entgegenkommt, könnte manch einer jetzt kapitulieren und sagen, dass die Menschen nun einmal nicht so sind, wie es für neue Formen im Umgang mit Geld nötig wäre. Nun ja, es kann sein, dass das bezüglich auf den überwiegenden Teil der Menschen zutreffen mag, aber es darf nicht übersehen werden, das die Zahl derer in Zunahme begriffen ist, die eben im besten Sinne anders sind und anderes wollen. Darauf lässt sich sehr wohl aufbauen, was irgendwann einmal nicht mehr nur das Leben in Nischen unserer Gesellschaft bestimmt, sondern das große Ganze zu verändern vermag.

 

Auf den kleinen Anfang vertrauen

Das gewisse Gedanken noch nicht von einer Mehrheit getragen werden, dass es viele Menschen gibt, die neuen Ideen gegenüber erstmal zögerlich-verhalten reagieren, muss nicht abschrecken. Neue Formen im Umgang mit Geld sind möglich und die ersten Anfänge sehen wir bereits. Allerdings ist es auch wahr, dass man den Mut des Entrepreneurs braucht, denn insgesamt gesehen gehört man zu denen, die den Berg besteigen, lange bevor es die Seilbahn gibt.

Da ist das Selbstbewusstsein des Noah ein nettes Vorbild. Goethe brachte es einmal mit folgenden Worten zum Ausdruck: „Ich baue vielleicht ein Schiff auf einem hohen Berg, aber das Wasser wird steigen.“ Zur wahren New Oeconomy gehört es auch heute noch, vermeintlich verrücktes zu tun. Den Trend zu neuen Formen im Umgang mit Geld derartig aufzugreifen, dass man eine eigene, nicht staatliche Währung schafft, im Vertrauen darauf, dass sie auch in zunehmendem Masse verwendet werden und so die Welt zum Besseren verändert wird, ist eine noahchidische Tat. Man baut ein Schiff auf einem hohen Berg! Aber das haben die Gründer von google auch getan und die Gründer des Unternehmens „Winzig-Weich“ waren auch nicht erfolglos, als sie darauf setzten, dass es genügend Menschen geben könnte, die einen Personalcomputer verwenden würden. Das ein Weltkonzern diese Chance übersah, hat dem späteren Reichtum von Bill Gates ja erst das Startloch gegraben. Warum also nicht eigene Wirtschafts- und Geldformen schaffen, um dadurch die Welt ein klein wenig besser zu machen? Die Chance dafür ist ohne Zweifel da!

 

Entnommen aus:

Peter Krause (Hrsg.)

Anders: Komplementärwährungen“

ISBN 978-3-86931-836-3

Bestellmöglichkeit

 

 

Gelesen 10294 mal Letzte Änderung am Dienstag, 28 Juli 2015 22:36
Peter Krause

Peter Krause (Krause-Keusemann) studierte Kunst, Pädagogik, Theologie und Betriebswirtschaft.  Als freier Journalist und Buchautor (seine Schwerpunkte sind die Wirtschaft und der medizinische Leistungsbereich) zahlreiche Veröffentlichungen in verschiedenen Zeitschriften und Verlagen.

Weiterlesen: fairventure.de/lexikon/item/14-peter-krause

Webseite: www.aktiv-zukunft-leben.de